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„Vielen Dank für Dein Verständnis“ – was diese Floskel mit Deiner Kommunikation macht und wie es besser gehen könnte

Neulich kam mir dieser Satz mal wieder unter. Und ja: Ich gebe zu, ich rege mich darüber hin und wieder auf. 6 Minuten vor Termin eine Absage. Ohne Begründung, dafür mit dem Zusatz:

Vielen Dank für Dein Verständnis.“

Klingt freundlich. Klingt höflich. Klingt nach guter Kommunikation. ABER: Sie wirkt auf den ersten Blick wertschätzend, schafft jedoch in vielen Situationen eher Abstand als Verbindung. Zumindest bei mir. Denn wer diesen Satz schreibt, bedankt sich nicht wirklich für Verständnis. Er setzt es voraus. Und damit passiert kommunikativ etwas Entscheidendes: Aus einer Bitte wird eine Erwartung. Aus einem Dialog wird eine Ansage. Aus Beziehung wird Kontaktverwaltung.

Besonders häufig begegnet uns die Formulierung dort, wo etwas nicht rund läuft: ein Termin wird verschoben, eine Leistung verzögert sich, eine Entscheidung wird einseitig getroffen oder eine unangenehme Nachricht soll möglichst elegant verpackt werden. Dann steht am Ende: „Vielen Dank für Dein Verständnis.“

Das Problem: Die andere Person hatte oft gar keine Gelegenheit, Verständnis zu zeigen. Sie wurde nicht gefragt, ob sie einverstanden ist. Sie konnte keine Rückfrage stellen, keine Grenze setzen, keinen eigenen Bedarf einbringen. Ihr Verständnis wird einfach vorweggenommen – und genau dadurch fühlt sich der Satz schnell übergriffig und unecht an.

Gute Kommunikation braucht Gemeinsamkeit, Verbindung und Kontakt. Sie braucht ein echtes Gegenüber. Eine Floskel wie „Vielen Dank für Dein Verständnis“ nimmt diesen Kontakt aber häufig heraus. Sie klingt nach Abschluss, nicht nach Gespräch. Nach Fall erledigt. Nach: Bitte nicht weiter nachfragen.

Natürlich ist der Satz nicht immer böse gemeint. Oft entsteht er aus Unsicherheit. Wir möchten höflich bleiben, niemanden verletzen, keine unnötige Reibung erzeugen. Doch Sprache wirkt nicht nur über unsere Absicht, sondern auch über das, was beim Gegenüber ankommt.

Und ankommen kann: „Ich habe entschieden, Du hast zu verstehen.“ Das ist kein Dialog. Das ist eine kommunikative Einbahnstraße mit freundlicher Beschilderung.

Ein Dank ist stark, wenn er konkret ist. „Danke, dass Du so kurzfristig reagiert hast.“ „Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst.“ „Danke, dass Du mir offen Rückmeldung gibst.“ Solche Sätze benennen, wofür wir dankbar sind. Sie anerkennen eine tatsächliche Handlung.

„Vielen Dank für Dein Verständnis“ dagegen bedankt sich für etwas, das möglicherweise noch gar nicht da ist. Und genau deshalb wirkt die Formulierung oft wie ein rhetorischer Deckel: Thema zu, Gefühl egal, Widerspruch unerwünscht.

Wer wirklich Verantwortung übernehmen will, formuliert anders. Nicht glatter, sondern klarer. Nicht distanzierter, sondern ehrlicher.

Die bessere Alternative beginnt nicht mit einer perfekten Formulierung, sondern mit einer ehrlicheren Haltung: Ich sehe, dass meine Nachricht für Dich Umstände machen kann. Ich nehme das nicht leichtfertig. Und ich lasse Raum für Deine Perspektive.

  • „Mir ist bewusst, dass das für Dich zusätzlichen Aufwand bedeutet.“
  • „Es tut mir leid, dass ich Dir diese Änderung so kurzfristig mitteile.“
  • „Wenn das für Dich schwierig ist, lass uns gern nach einer Lösung schauen.“
  • „Danke, dass Du Dir die Rückmeldung ansiehst – und sag bitte, wenn etwas für Dich nicht passt.“

Diese Sätze sind nicht komplizierter. Aber sie sind verbindlicher. Sie machen sichtbar, dass Kommunikation mehr ist als Informationstransport. Sie ist Beziehungsgestaltung.

Der eigentliche Prüfstein guter Kommunikation ist nicht, ob sie immer angenehm klingt. Sondern ob sie ehrlich genug ist, auch Unbequemes auszuhalten. Eine klare Absage kann respektvoll sein. Eine Verzögerung kann transparent kommuniziert werden. Eine Grenze kann freundlich benannt werden.

Aber sobald wir unangenehme Botschaften hinter Floskeln verstecken, verlieren wir genau das, was Kommunikation tragen soll: Vertrauen und Verbindung.

Denn Menschen spüren, ob sie gemeint sind – oder nur abgefertigt werden. Sie spüren, ob da jemand Verantwortung übernimmt – oder sich hinter einem höflichen Satz verschanzt.

Vielleicht ist „Vielen Dank für Dein Verständnis“ manchmal einfach nur bequem. Ein Satz, der schnell geschrieben ist, professionell klingt und uns das Gefühl gibt, freundlich geblieben zu sein.

Aber gute Kommunikation beginnt oft genau da, wo wir uns diese Bequemlichkeit nicht erlauben. Wo wir kurz innehalten und fragen:

Deshalb: Weniger „Danke für Dein Verständnis“. Mehr „Ich sehe, dass das für Dich nicht ideal ist“. Weniger rhetorischer Abschluss. Mehr echte Einladung zum Gespräch.

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Wie gute Gespräche durch Mut entstehen

Mut als Schlüssel zur Kommunikationskompetenz

Es sind diese Gespräche, die sich einfach nach „im Fluss“ und „nährend“ anfühlen – bei denen man hinterher einerseits beflügelt und andererseits klar raus geht, sich verbunden fühlt und eine echtes Miteinander entstanden ist. Genau diese Gespräche liebe ich. Das ist für mich richtig gute Kommunikation. 

Gute Kommunikation ist mehr als nur das Austauschen von Worten: Wer gut kommunizieren kann, hat eine Kompetenz erlernt, die in der Sprechwissenschaft auch als „Gesprächsfähigkeit“ bezeichnet wird. 

Dabei kann es manchmal eine besondere Herausforderung sein, in Gesprächen und Diskussionen den eigenen Standpunkt klar zu vertreten und die eigenen Bedürfnisse offen zu äußern. Zum einen brauche ich selbst eine gute Portion Selbstreflexion und zum anderen braucht es das Bewusstsein auch bei der Gesprächsperson. In den wenigsten Gesprächen im beruflichen Kontext erlebe ich das leider so, dass sich beide voll diesen Aspekten bewusst sind.

Bin ich selbst in der Lage mein Thema, meine Bedürfnisse und Ziele einzubringen und das am besten so, dass mein Gegenüber mich auch verstehen und ich mich auf meinen Gesprächsperson einstellen kann, könnte man sagen, dass ich per Definition kommunikativ kompetent bin. 

Gute Kommunikation ist beidseitig

Eine der wichtigen Aspekte der Gesprächsfähigkeit ist die „gemeinsame Sache“: Etwas was im Miteinandersprechen entsteht, durch den gemeinsamen Austausch kreiert wird. Hat mein Gegenüber möglicherweise kein Interesse an einer echten Kommunikation, sondern hat seinen Plan im Kopf, den er „durchspricht“, ist die gemeinsame Sache in Gefahr.

Gesprächsfähigkeit braucht Mut

Was dann hilft, ist Mut:

  • Mut, die richtigen Fragen zu stellen, auch wenn sie zunächst unbequem erscheinen. 
  • Mut, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse und Gedanken anzusehen und sich bewusst zu machen. 
  • Mut, sich selbst zu zeigen (auch mit allen Irritationen, die womöglich schon beim Sprechen und Zuhören entstanden sind) und selektiv authentisch zu sein. 

Authentisch kommunizieren

Selektive Authentizität meint dabei, ´Nicht alles, was echt ist, will ich sagen, doch was ich sage, soll echt sein…‘ (Ruth Cohn). Ich wähle also bewusst aus, was ich sage, allerdings ist das, was ich sage, echt und authentisch. 

Mit dieser inneren Erlaubnis kann ich mutig kommunizieren und mit meinen Ideen und Fragen das Gespräch so steuern, dass die gemeinsame Sache wieder im Vordergrund steht. 

Denn nur wer mutig kommuniziert, kann gehört werden und Veränderungen bewirken.

Mutig zu kommunizieren heißt eben auch, Grenzen zu setzen und sich selbst ernst zu nehmen. Er ermöglicht, ehrlich zu bleiben, auch wenn die Meinung nicht der Mehrheit entspricht. Nur so kann echte Verbindung – zu sich selbst und zur Gesprächsperson und somit auch echte Gespräche entstehen.

Mein Tipp für Dich: Das nächste Mal in einer herausfordernden Kommunikationssituation eine kleine Sache ansprechen, die Dir auf dem Herzen liegt und die Du normalerweise verschweigen würdest. Je öfter Du im kleinen mutig kommunizierst, desto mehr Erfahrung bekommst du und desto leichter fällt es bei den herausfordernderen Situationen. 

Der Weg zu einer mutigen Kommunikation ist ein Prozess. Jede Erfahrung, jeder kleine Schritt stärkt unser Selbstbewusstsein. Besonders unter Frauen können wir uns gegenseitig inspirieren, unsere Stimmen zu nutzen und gemeinsam die Welt ein Stück mutiger zu machen. 

Trau dich, deine Gedanken und Gefühle zu teilen – weil du es verdient hast, so gesehen zu werden, wie Du bist.

Von Herzen, deine Gitta